Verein zur Förderung persönlichen Wachstums e.V.

Der Verein hat seinen Sitz in Welschbillig (Nähe Trier/Luxembourg).

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Willi Habermann

Willi Habermann

jahreszeitenvariabel - Naturgedichte

JAHRESZEITEN
WINTERLICHT

ANEMONENGRUND
ANGEBOT NOCH
WOLKENPOSTMODERNES ALLERLEI

 

SOMMERLAND

 

Dorfsonntagmittag

Das Windrad löffelt Wind,
die Katze streckt sich auf dem warmen Stein,
das Wippspiel der schwarz-weißen Elster
zeigt mir mein Ja und Nein.

 

Fest

Erfüllt ist das Junibegehren:
das Fest Allerfarbenblühen.
Die Hummeln,
die fleißig torkeln
und brummen.
Die Wolkenhimalayas,
weißwandige Ungeheuer,
die über Land fahren.

 

Regenjuni

Unbewegt steht grau
der Regentag.
Auf den Ziegeldächern
glänzt es naß und matt.

In die Lachen fallen
rhythmisch Glockentropfen.
Heut-Kulisse
hat das Gestern überschoben.

Durch die Fenster
Nord - Süd - Ost und West
überall das gleiche Einheitstrübe,
und du hockst
im schafskalt ungeheizten
Junizimmer
unbewegt und schaust.

 

Flitterwochen ade!

Der Juniapfelbaum
nur noch grün.
Schon fängt er an
zu verledern.

Wo sind die offenen Blütenschalen,
die Bienentanten,
die nicht wissen,
daß sie Zaubernichtchen mitbringen,
sie dem Bräutigam zuzuführen.

Der Apfelbaum summt nicht mehr,
er hat Bauch angesetzt.

 

Sommer komm

Sommer, komm mit deinem Glanz,
mach dich nicht zum eignen Narren,
laß die Regenmaske fallen.
Brenne ein dem Korn
dein tiefes Braun.
Grüße warm das gelbe Flackern
der Sonnenblumen,
laß deine Melancholie.
Sei du!
Nackt in deinen sirrenden Tagen.

 

Wiesenbraut

Wenn der Wind
der Wiese
die Wellen einstreicht
und goldgelbe Kelche
der Hahnenfüße beutelt,
hält der Sommer
seine Hochzeit mit sich.

 

Sonntagfrüh

Du mein samstag-besenreines blankes,
sonntagmorgen-weites Himmelblaues,
hohes Schwalbenbogen Überflognes,
windstill Kinderfrommes.

Und da schippert
feenweiß und langsam leise
ein Schalüppchen Wolke
jetzt aus Westen her.
Sonntagsfrühe-Zauber.

 

Sommer?

Bin ich im Sommerland?
Der Himmel ein grauer Deckel!
Oder siehst du vielleicht
da droben nen modrigen Sumpf?
Wir kriegen die Gänsehaut.

Die Dächer, gebrannte Ziegel,
lauern wie früher die Polizei,
kannst auch abfertigen sagen.
Kein Skateboardwetter,
Schafskälte!
Die neue Großwetterlage kommt erst!
Das sagt auch das Thermometer:
14 Grad um sieben Uhr abends auf dem Balkon.

Und gestern abend zum Fußball
hast du die Heizung aufgedreht
heimlich mit schlechtem Gewissen.
Das ist der 1. Juli heuer!

 

Sonnenwolkensommer

Sonnenwolkensommer.
In Rudeln ziehen Inseln.
Warm beheizter Tag.
Sirrendes Auf und Nieder
der Mückchenschwärme,
auf ihrer Tonleiter spielend.
Reger Teppich,
buntes Wunder Blumenwiese.

 

Beisammen

In unserer Gartenlaube
da turteln wir, turteln wir,
Taube.
Die vollen Äpfel
schauen herein,
wir streicheln sie,
beißen hinein.
Bleib bei mir im Frühwind,
wenn er durch die Dachgaube zieht,
du meine Taube.

 

Herbstwinde

Juliherbstwinde.
Die Sommerwärmepause.
Der Pulloversommer
vermasselt den Urlaub.

 

Regen

Überall schleimen die Schnecken
auf Naß-Juliwegen und -asphalt,
die regenglänzen.
Der Sommer ist unter die Schnecken gefallen.

 

Wiegen

Ist ein Wiegen in den Blättern,
tanzen in dem Warmen, das sie schmeichelkost.
Bienen über Blüten klettern,
saugen Nektar ihnen zugelost.

 

Flugplätze

Die Lavendelstengel
baumeln vom Aufflug und Abflug
der Bienen.
Es geht zu
wie in einem Bienenstock.

 

Mafiosi

Rotfleckiger
grüner
Käfer
auf der Blaubüschelblüte
vom Lavendelbuschstock.

Käferbefall
durchsiebt
die fünflappigen
Malvenblätter.
Du tupfst auf ein Blatt,
der Käfer, der Mafioso,
läßt sich ins Unauffindliche fallen.

 

Im Garten

Der Goldrand
der Äpfel
im Sonnenmittag.

Dankbar lieg ich
im warmen Schatten
der Apfelbaumblätter.

Die durchsonnten
zeigen mir
transparent
die Deltaverzweigungen
ihrer Adern.

 

Adel

In der Windstille des Abends
prangen die hohen Solitäre,
die schlanken Stockrosen-Leuchttürme
und schauen aus ihren
roten, violetten und weißen Augen
rundrum hinein in den Garten.

Die hohen Fürsten
rot, blau, violett
geschmückt
mit den Ordenssternen
begrüßen einander,
prunken
ranggleichen Muts
heiter unbekümmert
sich zu.

 

Gewitter

Vom Himmel Eselgrau
die silbernen Pfennige knallen.
Hoch überm dampfenden Garten
donnert das Heißlufttheater.

Die atmosphärische Störung
entlädt sich mit Grollen,
verzieht sich mit blitzendem Zimbelspiel.

Will’s nicht verstehen,
hör, wie die Bälle der Kinder
klatschen auf nassen Straßen!

 

Abend

Schwarzfalter fällt ins Gras,
Libelle flügelwirbelnd steht darüber.
Der Sommerabendwind
bespielt die Halme,
zerzaust sie mild.

 

Mein Garten feiert Sommerfest

Da brennen oben die Wolken
silbern an von der Sonne.
Da summt im Schunkelflug-Solo
die Hummel um meine Malven.
Und durch ihr Rosa
ädern
viel rote Bogen
aus den fünfblättrig
nach außen gewölbten
Blütenkelchen.

 

Flur

Reifes Sommerbraun,
die Äcker dörren Korn.
Dunkler Taumeltrunk.

 

August

Ernteheiß
brennt August.
Glattes glänzt
Gold und Silber.
Kein Gelüftel.

Halkyonisch
die Stille -
keiner schreibt
sie
auf.

 

Abendspaziergang

Ich geh am Stock in den Abend hinein.
Da ging heute früh die Sonne auf.
Die hat ihren Tagbogen hinter sich.

Sonnenuntergang im Rücken
ziel ich zum morgigen Morgen.

 

Frösteln

Frühherbstnebel
überschleiert
den grünen Waldschopf,
hügelauf dampft sich der Acker aus.
Der Sommeraugust hat verloren
am Morgen und Abend.
Du fröstelst
den dunkleren Tagen
entgegen.

 

Maisfeld

Den übermannshohen Maislanzenwald
durchzischelt etwas.
Es sind keine Mäuse,
es raschelt metallisch der Wind.

 

Morgenminiatur

Frühschwätzeramsel.
Ich weiß dich schwarze
schöngeschwungne Figur
auf und zu schnabelnd
im Dämmerzweiggestrüpp hocken.

 

Nachmittag im Garten

Das Meergemurmel der schwätzenden Frauen
immer, immer von neuem begonnen.
Überschwappt liege ich da,
gewärmt vom Trost der Sonne.
Amsel singt ihr Grenzerlied,
schön und bunt klingen
mir ihre Revierwächterstrophen.

 

Nachtigall

Blühe Nachtigallenschmelz
mir ins Ohr,
steige in mich,
Turm der schwarzen
gewendelten Nacht,
süßes Steigen und Fallen,
Schluchzen, das triumphiert.

 

Komm mit ins Freie!

Hast du Zeit?
Ich fahr jetzt gern mit dir rad.
Die Sonne ist da.
Die Speichen blitzen.
Ich fahr jetzt gern mit dir rad.

Laß deinen Kram.
Ich fahr jetzt gern mit dir rad.
Der Wind kämmt dein Haar.
Wir treten rund durch.
Ich fahr jetzt gern mit dir rad.

Die Felder fluten.
Ich fahr jetzt gern mit dir rad.
Wir lachen zu zweit.
Wir blinzeln uns zu.
Ich fahr jetzt gern mit dir rad.

Die Wolken bauschen.
Ich fahr jetzt gern mit dir rad.
Sag mir: Ich fahr jetzt gern mit dir rad.
Vier Räder drehen gleich.
Ich fahr jetzt gern mit dir rad.

 

Fensterausschnitt

Der schwarze Waldbalken
überm Flachskarree
des abgeernteten Ackers
unter dem Graumalgrund Himmel,
in den die beregneten Dachziegelwellen
silberig schneiden.

 

Abendgang

Volksfest blinkert vom Tal herauf.
Oben hier dunkeln Gedanken.
Schneckenschleimspuren bändern den Weg.
Goldockerstoppeln glänzen nach Herbst.
Geh zu dir, Nacht kommt, geh heim.

 

Bäume

Steigendes Laubwerk:
Pappel, fallendes: Weide.
Waage der Dinge.

 

Im Rausch

Graue Nachtschwärmer
landen hinein
in die gelben flachen
Nachtkerzen-Blütenschüsseln.

 

Komposition

Monochromer Himmel,
Blau-August-Malgrund.
Unter dir krächzt ein Rabenschwarz.
Fernher führt eine Wolke Weiß.
Sonne durchlichtet das Haselblattgrün.
In der Luftstille stocken die Zweige.
Das Braun der Pergolabalken schläft.
Wie ein Spinnwebfaden glitzt Silber
das Rund vom Trinkglasrand.
Die Goldruten schmecken den Augen nach Honig.

 

Tauber

Fließe, Tauber,
Dubra, dunkel,
tripple.
Stolpert, Schlupfwellen,
hüpfe dich, Wasser,
taumle dich frei ins Helle
hinaus aus den Erlenschatten.
Vorbei an den heilenden
Quellsprudelnymphen,
durchfädle den Wiesengrund.
Plätschre, schnäble, lecke
am Ranft deiner Bettung,
singe, spiele dich, Fluß!

 

Augenblick

Kosmosumfassendes
und im Flügel des Schmetterlings
leuchtendes zitterndes Nun.

 

Schattenschlag

Dichter Blätterschirm,
ein Kastanienschatten
dunkelt den Radweg.

 

Romanze?

Sommer glänzt wie Auferstehung.
Wolkengolgotha ist blau entschmerzt.
Aller Sinne Landbegehung
schaut erstaunt und wunderbar beherzt.

Ist ein Wiegen in den Blättern,
Wärme ihnen schmeichelkost;
Bienen Blüten überklettern,
saugen Nektar, ihnen zugelost.

Düsen-Jet setzt Wolkenstreifen,
wo ganz oben das Ozonloch locht;
wie viel Herbste uns noch reifen
Ölfrucht für den Winterdocht ?

 

Pan

Weiß-firner Roggen.
Pan August heiß überm Feld.
Namenlos Stille.

 

Kirschkopf

Kirschbaumstrubbelkopf:
vielrotknöpfig aus dem Grün
äugen die Kirschen.

 

Aurora

Wolkenvermauert
der Sonne Augenloch
in glühender Frühe.

 

Begegnen

Spiegelndes
spielendes
schmiegendes
reges bewegtes Meer.

Eine Welle nur
schwammen wir
voneinander.

Sahen uns,
sahen uns nicht.

Lagen wir
auf ihrem Berg,
in ihrem Tal.

 

Pergola

Unter der Pergola liegend
sehe ich ihre braunen Balken
den Blauhimmel rhythmisch im Gleichmaß einteilen.

Durchschrägende Kondenswölkchenstreifen
bilden mit ihnen ungleichseitig Rechtecke.
Vor mir zickzacken die Mückchen.
Die hohe schwarze Armbrust Schwalbe
durchfährt dies alles im Bogen.

 

Vogelchor

Der Vogelmorgensaal
voll Sang,
die Stimmen proben,
der Chor ist aufgewühlt.
Die Sängerstars tönen.
Jeder sein Lied.

 

Königskerze

Königskerze,
Szepter des Sommers,
Honig perlender Schaft.
Obelisk
ohne Tempel,
stoße in deinen Himmel
den Prunk deiner Blütensterne.

 

Côte d’Azur

Irisier mich,
Stachelnadelpiniengrün
im blauen Azur.

 

Unterm Baum

Zwischen drei Apfelbaumblättern
eine Figur aus Himmelblau,
ein herausgeschnittenes Bildchen.
So ungefähr sieht im Atlas Afrika aus.
Aber der leiseste Wind
macht dir dies Afrika kaputt,
nur noch das Blau bleibt,
für das ich keinen Namen mehr find.

 

Still

Das Grün der Blätter
im Himmelblau durchruht mich
mit seiner Wärme.

 

Frühgarten-Sextett

Ich hänge im Drehkorb
unterm August-Apfelbaum.
Das Licht leuchtet
die Hosenbeintäler und -hügel
immer neu aus.
Und die grünen Äpfelchen
halten die Backen
der Sonne hin,
daß sie reifen.

Blätter-überdacht,
Himmel-August hinterwölbt,
lichtwarm ummantelt.

Schaukelhaken überhakt
zu einem Kreis,
daß sie im Schwung
nicht aushakt,
die Schaukel,
im Überschwang.

Flügelschlagschlagen
Anflug des Schmetterlings
an die Blume,
an der er dann
flügelgefaltet saugt.

Windrad buntflüglig
steht und erwartet den Wind,
Farben zu wirbeln.

Rotschwänzchen wippt, wippt
auf der Schaukelstange,
fliegt schwipp
ums Hauseck, ist weg.

 

Lob der Langsamkeit

Schneckensilberspur
überm Bitumenradweg,
Glanz langsamen Gangs.

 

Mondansichten

Schräger Football-Mond.
Schöpskopfgequetschte Birne.
Henker Nachtlatern.

 

Ackergeschichte

Die dicke Ähre
prangt im Sommerlicht.
Die Zeit wird das Feld mähen.
Die Stoppelstifte im Acker
behalten ihre Geometrie,
die runde Huschmaus
mästet sich an verbliebenen Körnern.

 

Ende

Der Sommer herbstelt.
Das farbige Spektrum der Blumen
leicht angerostet.
Der Wind,
wie er nicht mehr weich spült,
zieht über die Haut
dir einen kühlen Zug.
Du spürst ihn auch
an deinem Herzen kurz stehn.

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