Verein zur Förderung persönlichen Wachstums e.V.

Der Verein hat seinen Sitz in Welschbillig (Nähe Trier/Luxembourg).

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Willi Habermann

jahreszeitenvariabel - Naturgedichte

JAHRESZEITEN
ANEMONENGRUND
SOMMERLAND
ANGEBOT NOCH
WOLKENPOSTMODERNES ALLERLEI

WINTERLICHT

 

Auftakt

Grün, türkis
das Bettzeug der Wiese,
drüber schüttelt Frau Holle
im Himmelblau.

Wie selbstverloren
sie solo tanzen,
plötzlich reglos stehn in der Luft,
die Flocken Schnee.
Wie sie als Herde
getrieben werden,
in schrägen gekreuzten Schraffuren
schwingen, wellen,
stürzen und trudeln,
Kobolde, Feen weiß.

Unten am Boden
uni gesponnene Gaze,
Rinnsale später,
die schnell verfließen.

 

Graphik

Schwarzhecken-Schraffuren im Weiß.
Lineamente, Horizontales.
Oben die sich verästelnden Blutgefäße
der Bäume greifen in den Schneehimmel.

Das Winterlicht kalt.
Die schwarzen Baumskelette.
Ein Harzkarfunkel am Stamm
erzählt von Verletzungen.
Über das Kinn hoch
knöpfst du
die Lammfelljacke

 

Herbstgruß

Flügelchenschwerter
stehen zitternd im Schnee,
libellenhäutig geädert,
Lindenblütensamen
auf Winterwacht.

 

Kalter Tag

Ich hab am kalten Tag
dort draußen nichts verloren,
mir schrumpft sich alles klein,
bis zu den roten Ohren.

Schnell heim ins Haus, ins Zimmer.
Durchs Fensterviereck starrt
der Eisast gläsern rein,
Blut fliesst in die Ohren - wart.

 

Ausgesetzt

Auf dem kahlen Baum
im Eisdezember
zwei Äpfel
rundum erfroren,
ausgesetzt,
winterallein.

Hast
mit deinem Apfelbrecher
im Oktober
zu ihnen
nicht hingereicht,
sie einzuheimsen ins Haus.

 

Dezemberküche

Dezember, rührst in der Küche den Eiweiß-Schnee,
treibt’s am Fenster vorbei die Flocken.
Streichst den durchzuckerten Schnee
mit dem Pinsel
über die ausgestochenen Zimtsterne hin,
überstreichst im Garten draußen die Äste mit Weiß.
Backst im Ofen die Sterne knusprig und fest,
backt nachts der Frost die Kristalle
zu Raupen und Barren.

 

Am Fenster

Mattscheibenschnee
nachts um halb Drei.

Morgens wirbeln die Flocken
das Land zu.
Weiße Leere.

Die Schneelitanei
schnurt und flockt samten
herunter,
bettet sich reglos.

 

Nebelpumpen

Nebelpumpen
heben und senken den Tag.
Bleib daheim bei dir.

Nebelhemden
hängen an Himmelleinen.
Zieh sie nicht an.

 

Vor dem Dorf

Aus den Backsteinkaminen
strudeln und pulvern
Gloriolen, Protuberanzen,
weißes Wirbelgewölk
in den kahl
gekehrten Eisweihnachthimmel.

 

Dezemberwärme

Dezemberwärme.
Der Schnee verzehrt.
Schminkfrühling.
Kaltwinterpause.

 

Schneien

Der Schnee
fällt wie
aus Ewigkeiten,
flockt seine Sterne,
vertropft sich bald.

Schräg aus Westen
treibt der Schnee,
schwimmt und gleitet
tausendglitzersternig,
fällt und ruht.

Sturmgepeitscht,
irres Stürzen,
Queren und Jagen.
Weiß nicht mehr ein und aus,
Schwerkraft lotet nicht mehr.

Schneeflockfederchen
zermalmst in der Lawine
Haus, Stall und Kirch.

 

Spaziergang ins neue Jahr

Eis unterm Schnee!
Ja, neues Jahr, ich versteh.
Schein überflockt das Sein,
schmeichelt sich ein.

Vorsichtig tritt
Neuem zu - Schritt für Schritt,
freu dich am Schneekristall,
wirf den Schneeball.

 

Nasenweise

Eisspitzscharfes Prusten.
Es klirrt im Nasengiebel.
Harsch knirscht der Winterrotz.

 

Ratlos

Sirmle im dunklen Zimmer herum,
eine winter-durmliche Muck
in der Stub,
im Warmen,
im Stillen.

Durchs Fenster
mondleuchtend
im Birkenbaum Schnee.
Geh ich hinaus?
Wohin ? - wenn ich jetzt geh -

 

Schneeglöckchen

Durchbrochen
hat der Schneeglöckchenstengel
die braun-tot zusammengerollten
Blätter vom Baum,
sie durchbohrt,
ist durch sie hindurch gekrochen.

Sie ummanteln
- ein wabriger Rostkokon -
seinen grünen Stiel.

Oben
flügelt
das weiße Blütchen
dreischwingig im Wind.

 

Nebelsonne

Ob du den Nebel heut noch
verscheuchst, Frau Januarsonne?

Die feucht überschwadeten Felder
frei leckst mit deiner Wärme?

Daß die Äcker ihre umgebrochenen
Schollen im Silberglanz zeigen!

Oder im jungen Wintersaatgrün
ankündigen, was sie uns
im Sommer bereiten!

 

Februar, schließ!

Himmelsmantel, grauer Drillich,
Distelfinken schiessen durch.
Un-Freund Februar, dich will ich
lang nicht mehr, troll dich, du Schlurch!

Dumpfes Dämmern, Öden, Warten,
aber bald zieht’s lau wie Föhn,
kalten Winterwind und harten
wird der Märzenstaub wegwehn.

 

Hanglagen

Schneetinte,
reines Weiß,
das Ackerblatt bestrichen.

Viel Deckweiß.
Schichten, Schichten.
Da hat sich ein hohes Polster gerundet,
Schneeweißchen ohne Rosenrot.

Handtuchweiße
Schneelaken am Hang,
von schwarzen Stangen gelöchert.
Winterweinberg einsam,
dich hütet silbern der Mond.

 

Schmelze

Der Schneepelz
im Vorgarten
schmolz.

Doch schau:
es blieb
ein kristallblitzend Herz
aus Schnee
übrig.

Bald
unwiederherstellbar,
an seinen Rändern
zerfressen.

 

 

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