Verein zur Förderung persönlichen Wachstums e.V.

Der Verein hat seinen Sitz in Welschbillig (Nähe Trier/Luxembourg).

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Mein Weg im Aikido

Magdalena Maspoli

Zertifikatsarbeit im Rahmen der Langzeitgruppe 1999-2001
im Seminarhaus SCHMIEDE, D-54298 Welschbillig

Kapitel 1: Aikido
Kapitel 2: Training
Kapitel 3: Eindrücke
Kapitel 4: Werdegang
Anhang: Glossar
Anhang: Literatur

(Fotos: Ulrich Alscher, Wenden; Alice Jaeckel, Zürich)

Training

Anmerkungen zum Training

Weder die Auseinandersetzung mit der Technik,
noch das Gewinnen oder Verlieren sind wahres budo.
Wahres budo kennt kein Besiegen.
Niemals besiegt werden bedeutet niemals kämpfen.
Siegen bedeutet, die Uneinigkeit des eigenen Geistes zu überwinden.
Es bedeutet, die Aufgabe zu erfüllen, der du dich hingegeben hast.
Das ist nicht bloße Theorie; handle danach,
dann wirst du die gewaltige Kraft spüren, eins zu sein mit der Natur.
Aus den Schriften von Morihei Ueshiba ( zitiert aus Trevisan, S. 96)

Trainingsort, -leitung, -kleidung

Die Halle, in der aikido geebt wird, heißt dojo. Sie zeichnet sich durch Schlichtheit der Ausstattung aus: ein rechtwinkliger Raum ist mit Gummimatten (tatami) ausgelegt, an der Stirnseite (shomen) hängt ein Bild von Meister Ueshiba, darunter stehen Blumen, eine Klangschale, ein Zierstein, eine Kerze. Neben einigen Fotos von traditionellen aikido--bungen mit Meister Ueshiba sind Gegenstände aufgehhngt: Holzschwerter (boken) und Stücke (jo), die für das Waffentraining gebraucht werden. Große Fenster - oft mit Ausblick auf ein Stück Natur - können mit hellen Vorhhngen verdeckt werden, einfache Beleuchtungs- und Heizkörper vermitteln eine ruhige und anregende Arbeitsatmospähre. Die Reinhaltung des dojo gehört zu den Aufgaben der Übenden und somit zum Training.

Die Trainierenden (aikidoka) tragen einheitlich weiße Anzüge, wodurch die Gleichheit im Training gewährleistet ist. Man kennt sich mit Vornamen und weiß darüber hinaus wenig voneinander. Das gemeinsame Tun verbindet. Die aikidoka betreten das dojo nur barfuß oder in weißen Söckchen mit einer Verbeugung zum shomen hin und beginnen einzeln und meist schweigend mit Aufwärmübungen.

Das Training wird vom Leiter (sensei) des dojos oder einer von ihm bestimmten Person - meist ein langjähriger Schüler - geleitet. Dieser eröffnet das Training mit einem festgelegten Ritual: die Schüler sitzen gesammelt und schweigend in einer Reihe nebeneinander im Fersensitz ( seiza) und führen das Ritual (Verneigen, Klatschen und Sprechen eines kurzen japanischen Satzes, der die Bereitschaft zum Trainieren ausdrückt) auf ein Zeichen des Leiters gemeinsam aus. Je nach dojo und sensei unterscheiden sich die Rituale.

Nach gemeinsamen Aufwärm- und Atemübungen zeigt der Leiter eine Übung mehrmals vor. Es braucht genaues und aufmerksames Hinsehen, um die vorgezeigte Übung dann nachvollziehen zu können. Geübt wird meistens zu zweit, wobei der länger Trainierende die Übung beginnt. Nach zwei- bzw. viermaligem Vollzug wechseln die Partner die Rollen. Im Verlauf des Trainings gibt es zudem Wechsel der Partner. Auf diese Weise wechseln die Rollen und Übungsmöglichkeiten.

Übungsgrundsätze

Grundsätzlich geht es bei aikido nicht um Sieg oder Niederlage, sondern um Umwandlung der vorhandenen und freiwerdenden Kräfte. Es gibt weder Gewinner noch Verlierer noch Bewertungen. Vielmehr geht es um das Wahrnehmen, Entwickeln und Fließen lassen der so genannten ki-Kraft. Das setzt bei den Übenden die Bereitschaft voraus, sich dieser Kraft zu öffnen und zu stellen. Neben dem aktiven Üben geschieht gleichzeitig unbewusst ein innerer Prozess, der erst nach längerem Training erfahrbar wird.

Der Ablauf eines Kampfes lässt sich wie folgt beschreiben: Die vom Angreifer ausgehende Kraft wird vom Angegriffenen durch Ausweichen oder Umlenken in Verbindung mit geschickten, kreisförmigen Abwehrbewegungen der Arme und Beine verwandelt. Es wird also kein direkter Widerstand geleistet, sondern die Stoß- oder Zugrichtung des Angreifers wird entgegen genommen und so beeinflusst und ausgenutzt, bis dieser aus dem Gleichgewicht gerät und sich durch eingeübtes Rollen oder Fallen aus der "Gefahrenzone" entfernt und gleich für eine neue Begegnung bereit macht.

Für beide Partner gehört es zum wichtigsten, das Bewusstsein für die eigene Mitte zu trainieren und damit ihre Standfestigkeit und zugleich Beweglichkeit zu stärken. Nur auf diese Weise wächst das Vermögen, auf die jeweilige Situation angemessen zu reagieren. Mal ist die Standfestigkeit und das Bestimmen der Technik nötig, mal ist es das Reagieren und Mitgehen mit dem Gegenüber, durch die eine Übung zum Gewinn beider und zu einem befriedigenden Abschluss gebracht wird. Wenn der Angegriffene sich seiner Mitte bewusst bleibt, auch wenn er sich um diese dreht oder aus ihr heraustritt, und der Angreifer sich weiterführen lässt statt auf seinem Angriff zu beharren, gelingt der Kampf. Das klingt widersprüchlich, wird aber im wahrsten Sinn des Wortes ver-ständ-lich im tatsächlichen Tun.

Diese Art des Kämpfens ist für die meisten Menschen ungewohnt, weil es nicht zurückschlägt und sich im Agieren austobt, sondern kreativ einen neuen und anderen Weg sucht und findet. Die im aikido vorgegebenen und vielfältig zu kombinierenden Techniken bieten, wenn sie einmal erlernt und so zu sagen einverleibt sind, großen Spielraum. Auf diese Weise wird erfahrbar, wie alltägliche Aktivittt, die sich oft im unüberlegtem Agieren verliert, in so genannte Kreaktivität zu verwandeln, die aus den meist vielfältig vorhandenen Möglichkeiten diejenige auswählt und anwendet, die in diesem Augenblick die angemessenste ist.

Grundtechniken

Im aikido sind die Körperhaltungen, Schrittfolgen und Bewegungsabläufe ganz genau festgelegt und werden mit japanischen Ausdrücken benannt. Ich beschränke mich im folgenden auf die für Einsteiger notwendigen Ausdrücke (siehe auch Glossar) und Techniken.

Die Techniken werden in der Regel zu zweit eingeübt und ausgeführt: die angreifende Person (uke) und die ausführende Person (tori). Anfänger beginnen im Stehen.

Grundpositionen der Füße:

der vordere Fuß ist nach vorne ausgerichtet, der hintere Fuß steht etwa eine Fußlänge mit 45 nach außen abgewinkelt dahinter; die gleiche Hand wie der vorgestellte Fuß zeigt nach vorn, die andere Hand deckt die eigene Mitte.

beide Übende stehen sich mit gleichem Fuß vorgestellt diagonal gegenüber (links-links oder rechts-rechts);

beide Übende haben jeweils den entgegengesetzten Fuß vorgestellt (links-rechts oder rechts-links)

Abstand der beiden Übenden zueinander:

beide Übende haben einen Arm ausgestreckt, die Fingerkuppen berühren sich sacht.

Grundschritte:

geradliniger Vorwärtsschritt (eintreten): der vordere Fuß gleitet einen Schritt vorwärts, hinterer Fuß setzt nach; mit dem vorderen Fuß schwingt auch der gleichseitige Arm auf Augenhöhe; die andere Hand bleibt in der Körpermitte.

Drehung von 1800 um die eigene Mitte mit gleichzeitigem Schritt des vorderen Fußes nach hinten; Arme schwingen entsprechend mit, so dass der gleiche Arm wie Fuß vorne ist.

Drehen um eigene Mitte während Füße am gleichen Ort bleiben und auf dem Ballen drehen; jeweils der gleiche Arme wie der vordere Fuß schwingt vor.

Die Wurftechniken können aus verschiedenen Haltepositionen ausgeführt werden, brauchen einige Übung und sind für den Einstieg nicht notwendig. Sie eröffnen bei anhaltendem Training eine Vielfalt von Bewegungsabläufen und Kampff-Möglichkeiten. Zugleich ergibt sich beim Ausführen der Techniken die Aktivierung vieler Akupressur-Punkte, die zum Beispiel zur Stärkung der Gelenke, zur Anregung des Blutkreislaufes und der Darmtätigkeit führen.

Etwas zur Ausführung der Grundtechniken

Wie schon weiter oben bemerkt geht es bei der Ausführung der Techniken nicht darum, mit dem Gegenüber einen Kampf zu führen, bei dem es einen Unterlegenen und einen Überlegenen gibt. Das bringt keine neuen Erfahrungen und nur unnötige Schmerzen, Krämpfe, Kräfteverschleiß und ist daher Zeitverschwendung. Die beiden Übenden geben sich gegenseitig Gelegenheit, die vielfältigen Techniken im Wechsel der Rollen als angreifende und ausführende Person zu erlernen und zu wiederholen. Je öfter die Rollen gewechselt und die gleichen Übungen wiederholt werden, um so mehr Chancen bestehen, die jeweilige Technik kennen zu lernen, zu verfeinern und an deren Ausführung zu feilen. Der Wechsel der vielfältigen Techniken und deren Ausführung aus unterschiedlichen Positionen heraus führt nicht selten zu einer ärgerlichen aber nützlichen Verwirrung. Alte, tief verwurzelte Verhaltensmuster werden dabei sichtbar und im Körper als Schmerzen und Verhärtungen spürbar und können beim stetigen Üben erweicht und sogar verändert werden.

Auch nach jahrelangem Training wird der Übende nicht selten neue Erfahrungen beim Ausführen altbekannter Techniken machen. Das geschieht besonders dann, wenn er einer anfangenden Person gegenüber steht und mit dieser eine Technik neu erarbeitet. Dann liegt es an ihm, sich auf diese Herausforderungen neu und aufmerksam einzulassen und sie als Chance zur eigenen Veränderung und Überprüfung zu ergreifen.

Beschreibung und Ausführung der Grundtechniken siehe nächstes Kapitel.

Einstieg für Ältere

ai-ki lässt sich nicht erschöpfen
im Niedergeschriebenen oder im Gesprochenen.
Ohne leeres Geschwätz zu betreiben,
versteht durch Üben!
Gedicht von Morihei Ueshiba, zitiert nach Ueshiba, S. 111

Besonders für weniger geübte und ältere Menschen ist es nötig, das aikido-Training mit Aufwärm-, Atem- und Dehnübungen zu beginnen. Die nachstehend zusammengestellten Übungen sind Vorschläge und können in Reihenfolge und Menge variiert werden. Es ist ratsam, die Übungen nicht zu forcieren und auf die eigene Schmerzgrenze zu achten. Es geht nicht um Hauruck-Bewegungen, sondern um achtsame Grenzerfahrungen.

Wichtig ist es auch, den eigenen Atemfluss zu beachten. Besonders der Ausatem unterstützt die Dehnübungen und hilft, die Schmerzgrenze zu respektieren und eventuell auszudehnen.

Atemübungen

Jede Übung 3 - 5 mal wiederholen.

Grundhaltung: hüftbreit gut verankert auf dem Boden stehen.

a) Zum Einatmen die vor dem Unterbauch hängenden Hände und Arme nach außen drehen, bis dass die Daumen nach außen und hinten zeigen; zum Ausatmen Hände und Arme zurückführen vor den Unterbauch.

b) Zum Einatmen die vor dem Unterbauch hängenden Hände und Arme gemeinsam vor der Mitte heben bis auf Augenhöhe und nach außen öffnen; zum Ausatmen Hände und Arme zurückführen zur Ausgangsposition;

c) zum Einatmen die vor dem Unterbauch hängenden Hände und Arme gemeinsam vor der Mitte bis über den Kopf heben und getrennt in einem Bogen nach außen bis etwa Schulterhöhe herabführen; in einem kurzen Halt den Atem kurz in den Bauch pressen und Beckenöffnungen schließen; zum Ausatmen die nach oben geöffneten Hände nach unten drehen und Arme senken bis zur Ausgangsposition.

Aufwärmübungen

Übungen 3-5 mal wiederholen.

Füße

Grundhaltung: hüftbreit gut verankert auf dem Boden stehen, Knie sind leicht gebeugt; mit dem linken Fuß beginnen und - nach einem kurzen Nachspüren - die gleiche Übung mit dem rechten Fuß ausführen.

- Zehen nach innen gebogen auf den Boden stellen und sorgfältig kreisen;
- Fuß seitlich nach hinten auf Zehen stellen und mit Ausatem Gewicht darauf geben;
- Fuß seitlich nach vorne mit nach innen gebogenen Zehen stellen und mit Ausatem Gewicht darauf geben;
- nacheinander Ferse, Fußaußenkante, Fußinnenkante, vorderen Ballen und ganzen Fuß auf den Boden fallen lassen;
- danach erneut Zehen kreisen wie am Anfang.

Knie

Grundhaltung: geschlossene Füße, Handflächen bleiben auf den Knien.
- Knie mit Händen massieren;
- beide Knie gemeinsam nach links und rechts im Wechsel kreisen, dann strecken und beugen ("der Bauch legt sich auf die Knie");
- dehnen und beugen nach links und rechts.

Beine

Grundhaltung: in breiter Grätschstellung gut verankert auf dem Boden stehen.
- linkes Bein strecken, während rechtes Knie in Richtung großem Zeh gebeugt wird;
- gleiche Bewegung zur anderen Seite.
Grundhaltung: in Grätschstellung gut verankert auf dem Boden stehen, die Knie zeigen nach außen ("Sitzen im Becken"), Hände auf Oberschenkel nach innen aufgestützt.
- Kopf nach links hinten wenden, Schulter und Oberkkrper bewegen sich mit ("Spiralblick");
- gleiche Bewegung zur anderen Seite.

Becken

Grundhaltung: hüftbreit gut verankert auf dem Boden stehen, Hände greifen die Seiten in Leistenhöhe.
- Becken in größere und in kleiner werdende Kreise erst nach links und dann nach rechts schwingen.

Bauchraum

Grundhaltung: hüftbreit gut verankert auf dem Boden stehen, Hände greifen die Seiten in Taillenhöhe.
- Becken nach links und nach rechts zu Seite kippen ("Ellbogen tupft einen Farbklecks auf den Boden");
Arme schwingen nach vorne unten und hinten oben mit:
- Oberkörper beim Ausatmen nach vorne beugen und mit Ein- und Ausatmen nach hinten beugen, dabei Mund weit öffnen.

Schultern

Grundhaltung: hüftbreit gut verankert auf dem Boden stehen.
Grundbewegung: Kreis nach vorn und hinten.
- Schultergelenke mit hängenden Armen kreisen;
- Ellbogen kreisen, während Hände auf den Schultern liegen;
- Arme mit zu Fäusten geballten Händen kreisen ("Fäuste führen Pinsel in großem Kreis");
- Arme mit ausgestreckte Händen kreisen ("Mittelfingerkuppen zeichnen großen Kreis");
- Arme bewegen sich gegengleich ("Windrädli") nacheinander in beide Richtungen.

Hals/Nacken

Grundhaltung: hüftbreit gut verankert auf dem Boden stehen.
- Schultern zu den Ohren hinaufziehen, Kopf zwischen den Schultern ruhen und darauf schaukeln lassen, langsam Schultern senken.
- Schultern wie einen Lift langsam zu den Ohren hinaufziehen und ebenso langsam wieder hinunterfahren lassen über das Parterre in den Keller hinab.

Kopf

Grundhaltung: hüftbreit gut verankert auf dem Boden stehen.
- Kopf in horizontaler Ebene drehen, während die Augen mit wandern ("Wie weit kann der Blick nach hinten gleiten?");
Kinn zum Brustbein sinken lassen, zuerst mit linker, dann mit rechter Hand die Nackenmuskeln kräftig kneten, mit dem noch hängendem Kopf hin und her schaukeln ("Nein-sagen");
- Kopf langsam heben und noch einmal horizontal herumschauen ("Hat sich der Umblick vergrößert?");
- Kopf nach links und nach rechts zur Seite neigen ("Ohrläppchen neigt sich der Schulter zu");
- Kinn zum Brustbein sinken lassen, zum Einatmen Kopf mit weit geöffnetem Mund in den Nacken sinken lassen ("Regentropfen auffangen"), zum Ausatmen zurück zum Brustbein sinken lassen;
- Kopf vorsichtig wie einen Ball zunächst nur vorne von Seite zu Seite und dann ganz rundum kreisen lassen;
- Schädel massieren und beklopfen, Kopfhaut verschieben, Ohren und Kiefergelenk kräftig durchkneten ("Gähnen zulassen"), Unterkiefer und Ohrmuscheln kräftig durchkneten.

Zum Abschluss:

Kräftiges Klopfen mit Handflächen und/oder Fäusten beginnend beim Nacken über Schultern, Arme, Brust, Bauch, Hüften, Gesäß, Ober- und Unterschenkel bis zu den Füßen. Danach mit den Händen leichtes Abstreifen vom Kopf über Schultern, Arme, Brust, Bauch, Rücken, Hüfte die Beine hinab bis über die Füße hinaus.

Handgelenke

Grundhaltung: hüftbreit gut verankert auf dem Boden stehen.
- Rechte Hand bildet mit Daumen und Zeigefinger um das linke Handgelenk einen Ring, durch den der linke Unterarm in spiralförmiger Bewegung durchstößt;
die gleiche Bewegung mit der anderer Seite.
- Arme nach vorne ausgestreckt, Daumen zeigen nach unten, Handaußenflächen gegeneinander legen und Hände verschränken: Handgelenke zum Brustbein hinziehen ("Ellbogen fallen nach unten"), während sich Oberkörper nach vorne neigt, schlüpfen die Handgelenke an der Körpervorderseite vorbei nach oben und mit Geradebiegen des Oberkörpers fallen die Arme gedehnt nach vorne;
gleiche Übung nach Wechseln der verschränkten Hände.
Diese Dehnübung braucht einige Achtsamkeit und Wiederholung.

Die eigene Mitte erfahren und wahrnehmen

Grundhaltung: hüftbreit gut verankert auf dem Boden stehen.
- Langsam beginnend um die Bauchmitte links und rechts herum drehen. Bewegung größer werden lassen. Arme hängen zunächst einfach an den Körperseiten hinunter. Mit größer werdender Bewegung heben die Fersen kurz ab und die Arme schwingen spiralartig mit, erst in Hüfthöhe dann bis zu Oberarmhöhe und schlagen je an die andere Körperseite. Bewegung langsam kleiner werden lassen. In der Ruhestellung dem Kreisen nachspüren.

Grundhaltung: in breiter Grätschstellung gut verankert auf dem Boden stehen.

- Linke Handinnenfläche von Bauchmitte aus zur rechten Seite stoßen, so als sollte eine dort befindliche Wand weggestoßen werden, zurückführen zur Bauchmitte während bereits die rechte Hand von der Bauchmitte aus spiralartig zur linken Seite stösst.Unterarm und Oberkörper begleiten diese Bewegung. Der Impuls kommt von der Bauchmitte aus.

hanmi

Grundhaltung: vordere Fuß ist nach vorne ausgerichtet, der hintere Fuß steht im Abstand von einer Fußlängen dazu in 455 abgewinkelt, die Knie sind locker, der Oberkörper ruht aufrecht auf den Hüften. Abwechselnd mit linkem und rechtem Fuß vorne ausführen.

- Das Becken wie auf Schienen nach vorne und nach hinten verschieben;

- beim Verschieben nach vorn Oberkörper und Hüfte leicht zur Seite drehen ("sich schmal machen"), beim Zurückkommen in Ausgangsposition ("Front zeigen");

- vorherige Bewegung aber gleichzeitig den Armen ihren Lauf lassen; diese schwingen in kleinem Bogen nach vorne oben mit, dabei schwingt eine Hand höher als die andere, je nachdem welcher Fuß vorne steht;

- vorherige Bewegung aber die höher schwingende Handkante führt beim Herunterfallen bewusst einen Schnittt durch die Luft.

Schrittfolgen

Grundpositionen:

hanmi

Der vordere Fuß ist nach vorne ausgerichtet, der hintere Fuß steht etwa eine Fußlänge mit 45 Grad nach außen abgewinkelt dahinter; die gleiche Hand wie der vorgestellte Fuß zeigt nach vorn, die andere Hand deckt die Mitte.

ai hanmi

Beide Übende stehen sich mit dem gleichen Fuß vorgestellt gegenüber (links-links oder rechts-rechts).

gyaku hanmi

Beide Übende haben jeweils den entgegengesetzten Fuß vorgestellt (links-rechts oder rechts-links).

Grundhaltung: hanmi

irimi

Geradliniger Vorwärtsschritt = Eintreten: vordere Fuß gleitet einen Schritt vorwärts, hinterer Fuß setzt nach; mit dem Fuß schwingt auch der vordere Arm auf Augenhöhe; die andere Hand schützt die Körpermitte.

tenkan

- Vorderer Fuß macht einen Schritt nach hinten mit gleichzeitiger Drehung des Körpers um 180 Grad um die eigene Mitte; Arme schwingen entsprechend mit.

kaiten

- Füße drehen am gleichen Ort, Oberkörper und Hüfte drehen um die eigene Mitte; Arme schwingen entsprechend mit.

Einzeln und in wechselnder Reihenfolge üben.

Übungen zu zweit

Vorübung: Die stimmige Distanz herausfinden:

Grundhaltung: zwei Personen stehen sich in einigem Abstand gegenüber:

- eine Person bleibt stehen, während die andere so lange auf sie zugeht oder wieder zurückgeht, bis diese ihr signalisiert, welches der gerade jetzt stimmige Abstand ist;

- gleiche Übung mit gewechselter Ausgangsposition.

ma ai

- die Partnerinnen gehen mit dem linken Fuß einen Schritt aufeinander zu, heben dabei je den linken Arm, wobei ihre Handgelenke ungefähr in Kopfhöhe in ihrer gemeinsamen Mitte zusammentreffen und gehen wieder in die Ausgangsposition zurück;

- gleiche Übung mit dem rechten Fuß vorne;

- gleiche Übung mit einer anderen Partnerin.

ki awase

- Vorangehende Übung nur mit mehr Energie in der Handkante des erhobenen Armes ("die Handkante teilt den Kopf des Gegenübers, gleichzeitig leitet das Zusammentreffen der Handgelenke den Schlag in den Himmel ab").

Beim längeren Üben dieser Bewegungen finden die jeweiligen Partnerinnen recht bald den Punkt der gemeinsamen Mitte heraus und spüren die Energie, die dabei frei wird, besonders, wenn die Bewegung aus der Bauchmitte heraus erfolgt.

ki awase

irimi tenkan

- Aus der vorangehenden Bewegung wechselt tori mit irimi tenkan neben uke und zieht dessen Kopf an seine Schulter ("beide schauen jetzt in die gleiche Richtung; der Kampf wird umgewandelt in ein miteinander Innehalten").

Diese statische Technik kann weitergehen indem uke dynamisch ins Rollen oder Fallen geführt wird.

ki awase

shomen uchi

Grundhaltung: zwei Partnerinnen stehen sich in ai hanmi gegenüber

- Beide Partnerinnen heben gleichzeitig ihre linken Arme zu shomen uchi. Ihre Handgelenke treffen auf Kopfhöhe aufeinander. Die ausführende Person (tori) macht einen Schritt vorwärts (irimi), hebt gleichzeitig ihren rechten Arm in großem Bogen vor dem Gesicht der Partnerin bis zu deren linkem Handgelenk und fasst dieses. Sie macht mit dem linken Fuß einen Schritt zur Seite von der Partnerin weg, steht jetzt breitbeinig neben ihr und führt deren Hand vor ihrer eigenen Mitte Richtung Boden. Die Partnerin (uke) lässt sich führen, bleibt möglichst standfest und doch beweglich. tori dreht uke's Handgelenk spiralförmig von deren Mitte weg und legt ihre andere Hand darauf und macht gleichzeitig einen Schritt mit rechts in die Herkunftsrichtung. uke macht ebenfalls einen Schritt in die Herkunftsrichtung unter Beibehaltung ihrer Standfestigkeit.

Hier kann diese Technik gestoppt werden. Für uke ergibt sich eine wohltuende Streckdehnung.

Für Geübtere wird die Technik ins Rollen weitergeführt.

- Gleiche Übung, aber die uke -Partnerin beginnt;

- gleiche Übung mit einer anderen Partnerin.

tenkan ho

Grundhaltung: zwei Partnerinnen stehen sich in gyako hanmi gegenüber.

- Die eine Partnerin (tori) steht im han mi mit linkem Fuß vorne und bietet ihre linke Hand an. Die andere (uke) steht mit rechtem Fuß vorne und kommt mit einem Schritt auf tori zu und ergreift mit ihrer rechten Hand das angebotene Handgelenk. uke biegt die ergriffene Hand zu ihrer eigenen Mitte um, bewegt ihre Bauchmitte auf diese Hand zu ("sie schaut in ihrer Handfläche die ihr geschickte Kraft und Energie an") und stellt gleichzeitig ihren linken Fuß neben den rechten Fuß tori. Dann dreht sie sich auf dem Fußballen und um ihre Mitte nach hinten (tenkan), so dass sie neben uke zu stehen kommt. Dabei bleibt sie aufgerichtet, hhlt ihre beiden Hände auf der Höhe der Bauchmitte, ("als würde sie einen großen Ball oder ein kostbares Geschenk präsentieren"). uke bleibt mit ihrer Hand am Handgelenk der Partnerin ("sie klebt förmlich daran"), bleibt fest auf ihren Füßen, während ihre Bauchmitte sich zum Boden hin senkt und ihre Knie nach außen zeigen; sie bleibt in geduckter, standfester Haltung nah an der Partnerin;

- gleiche Übung mit anderem Fuß vorne;

- gleiche Übung mit gewechselter Rolle.

Diese Technik ermöglicht beim Wiederholen mit wechselnden Partnerinnen erstaunliche Erfahrungen über die eigene Standfestigkeit, Beweglichkeit und Aufrichtigkeit, über die eigene Kontaktfreudigkeit und über eingeprägte Ausweichmuster.

Auch diese Technik kann weitergehen, indem tori dynamisch ins Rollen oder Fallen geführt wird.

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